Aufmerksamkeit scheint ein modernes Phänomen zu sein: Ihr konstitutiver Einfluss auf die ‚condicio humana‘ im Zeitalter der Massenkommunikation, aber auch ihre Bedrohung durch die immense Vielfalt der dargebotenen Reize bestimmen die geisteswissenschaftlichen Debatten des 20. und 21. Jahrhunderts. Den größten Entfaltungsspielraum bietet ihr die Kunst der Rede. Die Welt der rhetorischen Kommunikation wird freilich nicht erst in modernen Zeiten von Aufmerksamkeitsfragen bestimmt; vielmehr lässt sich schon in frühen Phasen rhetorischer Theoriebildung das Bemühen um ein profundes Verständnis der menschlichen Aufmerksamkeit erkennen.

In der hier angezeigten Studie wird das ‚corpus‘ des bedeutendsten römischen Redners und Redetheoretikers, Ciceros, auf seine expliziten und impliziten Aufmerksamkeitsstrategien hin untersucht. Es zeigt sich, dass Cicero wesentliche Beiträge zur Begriffsbildung, Theorie und praktischen Anwendung des Phänomens Aufmerksamkeit geleistet hat. Der Zugang zu Ciceros Rhetorik wird dabei aus literaturwissenschaftlicher, philosophischer, psychologischer, soziologischer und historischer Perspektive gesucht.

 
 
 

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Florian Schaffenrath in: Ianus, Nr. 36/2015, 89

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