Zwischenzeit, Grenzüberschreitung, Aufstörung

Bilder von Adoleszenz in der deutschsprachigen Literatur



Mit der Frage nach der Adoleszenz bzw. dem Adoleszenz-Begriff ist in literatur- wie kulturwissenschaftlicher Perspektive ein Bezug hergestellt zu Disziplinen, die sich dieser „Zwischenzeit“ zuwenden. Aufgerufen sind mindestens Medizin, Neurophysiologie, Psychologie, Neurobiologie, Hirnforschung, Soziologie, Literaturwissenschaft, Geschichtswissenschaft oder Genderforschung. Von daher ist eine transdisziplinäre Betrachtung der Adoleszenz notwendig. Die Besonderheit von Adoleszenz als „lebensgeschichtlicher Phase“ besteht – darin existiert Konsens – gerade im Mit- und Gegeneinander von körperlichen, psychischen und sozialen Prozessen. Dies erklärt, warum Adoleszenz als ein „transistorischer Zeitabschnitt“ gilt, der durchaus chaotisch-anarchische Züge tragen kann. Insofern kann die Phase der Adoleszenz auch als eine besondere Form der ‚Aufstörung’ gelten. Wenngleich es in dem Band insbesondere um die Darstellung von Adoleszenz in der deutschsprachigen Literatur geht, ist ein Dialog zwischen Geistes- und Naturwissenschaften ausdrücklich angestrebt. Die literatur- bzw. kulturwissenschaftlichen Beiträge gehen zurück bis in die Literatur des Mittelalters und reichen bis in die Gegenwart. In den Blick geraten Texte von Augustinus bis Jörg Wickram ebenso wie Autoren des Sturm und Drang sowie der Klassik. Dabei wird einmal mehr deutlich, dass die Adoleszenz kulturgeschichtlich determiniert ist und es einen Unterschied ausmacht, ob von Adoleszenz im 18. bzw. 19. Jahrhundert, um 1900 oder 2010 die Rede ist. Offensichtlich wird in den Beiträgen, inwiefern und warum Adoleszenz ein Produkt eines Prozesses von gesellschaftlicher Modernisierung ist und es gerade auch in der Literatur offensichtliche Unterschiede im Erzählen über männliche und weibliche Adoleszenz gibt.

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Ricarda Dreier in: kjl&m - forschung.schule.bibliothek, 66, 2014/1, 83f

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Iris Schäfer in: Jahrbuch der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung, 2011/12, 153f

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Ernst Seibert in: 1000 und 1 Buch, 2/2012, 71