Die Wahrheit der Dichtung

P. B. Shelleys ‘Defence of Poetry’ im Kontext der Tradition neuplatonischer Poetologien



Erstaunlicherweise liegt trotz umfänglicher literaturwissenschaftlicher Forschung zu Shelley im Allgemeinen oder der ‚Defence of Poetry‘ im Speziellen kaum eine detaillierte Interpretation vor, die diesen Text philosophisch ernst, geschweige denn auf dessen ‚neuplatonische‘ Implikationen Bezug nähme.

Diesem Desiderat abzuhelfen, ist insofern Absicht der vorliegenden Untersuchung, als sie Shelleys Dichtungstheorie besonders auf die sie bestimmende philosophische Tradition neuplatonischer Poetologien hin durchleuchtet. Denn Shelleys ‚Defence of Poetry‘ stellt den vorläufigen Höhepunkt einer neuplatonischen Auseinandersetzung um das Wesen der Dichtung dar, die von Platons berühmt-berüchtigter Dichterkritik ausgelöst wurde und die im Laufe der Jahrhunderte ein beeindruckendes Spektrum poetologischer Spekulation zeitigte. Die Relevanz dieser Spekulation für Shelley aufzuzeigen und den Ort der ‚Defence of Poetry‘ in diesem Kontext zu beschreiben, ist Ziel der Arbeit.