Das Wörterbuch des Jakob von Melle

Untersuchungen zur niederdeutschen Lexikographie im frühen 18. Jahrhundert


1. Auflage, 2000
221 Seiten

ISBN: 978-3-8253-0918-3
Sortiment: Buch
Ausgabe: Gebunden
Fachgebiet: Germanistik
Reihe: Sprachgeschichte, Band: 6
lieferbar: 31.01.2000

Schlagwörter: Lexikographie, Niederdeutsch, Jakob von Melle


Der Lübecker Hauptpastor Jakob von Meile (1659-1743) ist der Verfasser des handschriftlichen "Lexicon linguae veteris Teutonicae, quae vulgo de Platt = Dudesche Sprake vocatur". Dieses niederdeutsch-hochdeutsch-lateinische Wörterbuch, nach dem Ende seiner kriegsbedingten Auslagerung seit 1989 und 1990 in zwei Versionen der Forschung wieder zugänglich, ist in die Tradition der Legitimationswörterbücher einzuordnen und dient der Dokumentation und Sprachpflege des Niederdeutschen.

Erkennbar wird die aktuelle bilinguale Sprachsituation und die Offenheit des Niederdeutschen für hochdeutsche Schreibungen und Ausdrucksweisen, da Meile neben sprechsprachlichen Formulierungen auch im Hochdeutschengebräuchliche Wörter verzeichnet. Formale Inkonsequenzen bei der Anlage des Lexikons weisen Meile auf der einen Seite als sammelbegeisterten Polyhistor des 17. Jahrhunderts aus. Auf der anderen Seite dokumentieren gerade diese Brüche und Unregelmäßigkeiten Melles Wahrnehmung von Sprachwandel und Sprachkontakt und lassen ihn als aufmerksamen Beobachter der sprachlichen Entwicklung erscheinen.

Deutlich wird, daß Meile die zeitgenössische Wörterbuchdiskussion rezipiert hat, die Gesamtkonzeption seines Wörterbuches zeigt jedoch, daß er nicht streng einer der beiden Richtungen (Idiotikon versus Gesamtsprachlexikon) folgt. Gerade die Heterogenität der Stichwörter stellt sich nicht so sehr als formaler Mangel, sondern vielmehr als Ergebnis der Einsicht in die Realität der Koexistenz, nicht des Kontrastes von Hochdeutsch und Niederdeutsch dar.

Über Aussagen zum verzeichneten Wortschatz hinaus wird so die sprachliche Standpunktsuche des Gelehrten im norddeutschen Raum deutlich: vertraut mit der niederdeutschen Sprache als Sprechsprache seiner Umgebung, unterwiesen in der Wissenschaftssprache Latein und eingebunden in die Auseinandersetzung um die Suche nach einer Norm des Hochdeutschen, belegt er eine sprachliche Wirklichkeit, die er emotional ablehnt, intellektuell jedoch unterstiitzt.