Mythos und Theologie im skandinavischen Hochmittelalter


1. Auflage, 1988
167 Seiten

ISBN: 978-3-8253-4119-0
Sortiment: Buch
Ausgabe: Kartoniert
Fachgebiet: Germanistik
Reihe: Skandinavistische Arbeiten, Band: 8

Schlagwörter: Altnordistik, Snorra Edda, Germanisierung, Historiographik /13. Jahrhundert, Fornaldarsagas


Die Arbeit versucht, das merkwürdige, im mittelalterlichen Europa einzigartige Phänomen der altnordischen Literatur aus den ganz speziellen Bedingungen der skandinavischen Geschichte zu erklären: nämlich daraus, daß der Norden sehr viel später als die west- und südeuropäischen Länder christianisiert wurde, unmittelbar davor aber in der spätheidnischen Wikingerzeit noch die Hochblüte seiner Kultur erlebt hatte, daß die darauffolgende Christianisierung dann eine Verdammung ebendieser Kultur und damit einen fast totalen Geschichts- und Identitätsverlust zu bewirken drohte, daß die spät einsetzende Schriftlichkeit aber wohl bald schon das Bemühen aktivierte, dem drohenden Geschichtsverlust entgegenzuwirken, also die genuinen, heidnischen Traditionen auf möglichst unanstößige Weise ins hochmittelalterlich-christliche Weltbild zu integrieren und zu einer Kulturideologie zu verarbeiten, die – bis in die Gegenwart fortwirkend – die historische Identität der nordischen Länder in der spätheidnischen Wikingerzeit gegründet sein ließ. Die „euhemerisierten“ Heidengötter wurden darin zu spezifisch nordischen „Kulturheroen“, der heidnische Mythos insgesamt zum Inbegriff der nordischen „Sonderkultur“.

Neigte man früher, zumal in der deutschsprachigen Forschung, zu einer einseitigen Betonung der genuin-völkischen Perspektive, zu einer „Germanisierung“ der altnordischen Literatur, so neuerdings zu einer – wie mir scheint, ebenso einseitigen – „Theologisierung“. Jedenfalls ist die Tendenz, christlich-theologische Theoriekonzepte – ‚naturalis gentium religio‘, Dämonologie, typologische ‚interpretatio christiana‘ usw. – nicht nur in der Snorra Edda, sondern auch in der historiographischen Literatur, in den Fornaldarsagas oder sonstwo wirksam zu sehen, mittlerweile fast schon zur herrschenden Meinung geworden.

Die vorliegende Arbeit versucht, den „theologisierenden „ Tendenzen dieser Forschung eine These entgegenzustellen, die stärker von den konkreten Texten selbst und von den speziellen Gegebenheiten der nordischen Geschichtsentwicklung ausgeht, ohne dabei in die „germanisierenden“ Tendenzen der älteren Forschung zurückzufallen.

 
 
 

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