Spätmittelalterliche Zunftstädte wie Augsburg, Basel und Straßburg zeichneten sich im Gegensatz zu der verbreiteten Vorstellung vom „finsteren Mittelalter“ durch Fortschrittlichkeit aus. So wurde politische Mitbestimmung für eine breite Bevölkerungsschicht zugänglich und damit ein Ansatz „demokratischen“ Denkens erkennbar. Ohne eine wirksame zentrale Reichsregierung reagierten die Städte auf Herausforderungen wie die des Protokapitalismus und der Protoindustrialisierung sehr unterschiedlich. Während sich in Augsburg eine mehr als hundert Jahre stabile „Wirtschaftskoalition“ zwischen den „reichen“ Zünften und dem Patriziat entwickelte, wurde das innenpolitische Leben in Basel und Straßburg lange Zeit, in Basel bis zum Ende des Mittelalters (1500), stark von Kontroversen zwischen den gesellschaftlichen Gruppen geprägt. Augsburgs grandiose wirtschaftliche Entwicklung am Ausgang des Mittelalters steht in enger Beziehung zu der praktizierten, modern anmutenden Wirtschaftspolitik und der politischen Stabilität. Straßburg ahmte nach dem Dachsteiner Krieg das Augsburger Modell erfolgreich nach, in Basel dagegen führte eine restriktive Wirtschaftspolitik der „armen“ Handwerkerzünfte zum wirtschaftlichen Niedergang. Am Ausgang des Mittelalters sind in allen drei Städten ein Zurücktreten des „demokratischen“ Gedankens und eine Aristokratisierung der politischen Führung zu beobachten.

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Olivier Richard in: Le Moyen Âge, CXX-2014.3-4, 769ff

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Jörg Rogge in: Zeitschrift für Historische Forschung, 40. Bd. (2013), Heft 2, 296f

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Joachim Kemper in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 161 (NF 122), 2013, 619f

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Martina Stercken in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, Bd. 69.1 (2013), 358f

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Georg Strack in: Historische Zeitschrift, 296/1 (2013), 182f